Liane Scholl / Tochter mit 44: Tagebuch eines Kuckuckskindes


Titel: Tochter mit 44: Tagebuch eines Kuckuckskindes

Autor: Liane Scholl

Verlag: Independently published (Amazon)

Formate: E-Book (inkl. Kindle Unlimited), Taschenbuch

Genre: Autobiografie

 

 

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Klappentext: 

 

Die Entdeckung ihrer wahren Identität nach 44 Jahren, lässt Lianes bisherige Welt wie ein Kartenhaus einstürzen und zieh weitreichende Konsequenzen nach sich. Ihr bisheriges Leben war eine Lüge. Liane ist ein Kuckuckskind! Eine lebenslang gefühlte Fremdheit nimmt plötzlich Gestalt an und setzt eine lange und quälende Suche nach der Wahrheit in Gang.Recherchen im Internet führen Sie zu einem unbekannten Mann, der ihr Leben mit einem Schlag vollkommen verändert. Die schmerzhafte Reise zum wahren "Ich" nimmt ihren Anfang.Eine authentische Geschichte , packend und in Tagebuchform mit großer Offenheit erzählt.  

 

Besprechung: 

 

Ein regnerischer Apriltag vor einigen Jahren. Es klingelt. Ich tätige einen tiefen Atemzug, mein Mann nickt mir aufmunternd zu, dann öffne ich beherzt die Haustür. Vor mir steht eine jung wirkende Mittsechzigerin und lächelt mir vorsichtig zu. Dann spricht sie mit leiser Stimme: "Hallo Jutta, ich bin's, deine Tante." Noch während sie die Lippen bewegt, schießen mir Tränen in die Augen, denn vor mir steht in diesem Augenblick nicht nur meine einzige, leibliche Tante, sondern auch eine Tochter, deren Existenz meine Großmutter der Welt konsequent verschwiegen hat. Erst nach deren Tod kam das Familiengeheimnis ans Licht ...

 

Natürlich werde ich dieses erste Treffen niemals im Leben vergessen. Genauso wenig, wie LIANE SCHOLL den 2. Weihnachtstag vergessen dürfte, an dem sie zwischen Geschenkpapier und familiärer Besinnlichkeit der schockierende Verdacht ereilt, dass ihr leiblicher Vater wohl ein völlig anderer ist, als bisher "offiziell verbrieft". Ausgelöst durch eine eher unachtsame Bemerkung ihrer Mutter, trifft sie Liane wie ein Schlag - die Erkenntnis, vielleicht ein "Kuckuckskind" zu sein, dass bisher nicht enttarnte Produkt einer verbotenen Liaison. Während Liane tapfer weiter im "Weihnachtsmodus" agiert und die alljährlichen Automatismen abspult, tosen in ihrem Kopf wahre Gedankenstürme. Doch es gibt kein Zurück mehr, den zur entlarvenden Bemerkung der Mutter addieren sich plötzlich Erinnerungen an diffuse Zweifel, die Liane selbst schon hegte, seit früher Kindheit. Warum hat sie als einzige im engsten Familienkreis blondes Haar und blaue Augen? Warum macht es ihr keine Probleme auf fremde Menschen zuzugehen, während es für den Rest der unmittelbaren Verwandtschaft ein Problem darstellt? Und plötzlich ergeben all diese - bisher lose umherwirbelnden - Puzzleteile ein Ganzes, und der undurchsichtige Schleier der Vermutung weicht dem immer klarer werdenden Blick aufs geradezu Ungeheuerliche ... 

 

Ich habe die Leseprobe von Liane Scholls "Tochter mit 44: Tagebuch eines Kuckuckskindes"  aufgrund der eigenen Erfahrungen mit klopfendem Herzen "konsumiert" und wurde nicht enttäuscht. Die Autorin beschreibt in flüssiger Art und Weise die denkwürdigen Geschehnisse an jenem Weihnachtsabend und in den Tagen danach. Der ausgefeilte und doch schnörkellos gehaltene Sprachstil besticht, denn er verleiht dem brutalen Bruch im Alltäglichen eine schockierende Deutlichkeit. Man findet sich als Leser wieder, ist schnell im Geschehen und fiebert schlichtweg mit. Zumindest ging es mir so. Fazit: Gekonnt verfasst, dem Thema angemessen, spannend und ergreifend.